• Am 19. Dezember habe ich mein Dissertationsprojekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe Motivation, Kognition und Reflexion der Geschichtsdidaktik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) vorgestellt. Trotz des Termins kurz vor Weihnachten war der Zuspruch und das Interesse groß, worüber ich mich sehr gefreut habe.

     

    Die zentrale Erkenntnis des Abends ist: Design-Based Research interessiert immer mehr Forscherinnen und Forscher. Es waren Gäste aus der Romanistik und der Archäologie anwesend, die erfahren wollten, wie ein Design-Based Research-Projekt in der Medien- und Geschichtsdidaktik durchgeführt wird. Auf der einen Seite wurden theoretische Aspekte von Design-Based Research diskutiert, auf der anderen Seite fragten die Gäste aber auch nach der konkreten Zusammenarbeit zwischen Praktikerinnen und Praktikern sowie Theoretikerinnen und Theoretikern.

     

    Für mich als Doktorand sind nicht nur die Präsentation und die Diskussion hilfreich, sondern auch bereits die Vorbereitung. Das habe ich auch schon nach meinem letzten Vortrag im medienpädagogischen Kolloquium in Köln bemerkt. Durch die Vorbereitung auf die Präsentation muss man seine konkreten Arbeitsschritte, mit denen man sich zu dem Zeitpunkt beschäftigt, für kurze Zeit verlassen. Man beschäftigt sich automatisch mit der Frage:

    Wie kann ich Personen, die mein Dissertationsprojekt nicht kennen, in kurzer Zeit den gesamten Design-Based Research Prozess mit den vielfältigen Aspekten erklären?

    Mir fallen dadurch immer die Bereiche auf, in denen ich Klarheit habe, aber auch die Bereiche, in denen ich nochmals darüber nachdenken muss, wie ich sie präzisiere. Deshalb ist es für mich sehr hilfreich zwei-/dreimal im Jahr meine Dissertation Fachpublikum vorzustellen.

     

    Einstiegsvortrag

    Ich habe in einem rund 30-minütigen Einstiegsvortrag Design-Based Research als Forschungsansatz sowie das Phasenmodell meines Dissertationsprojekts vorgestellt. Zum Abschluss habe ich außerdem die von mir erstellte qualitative Inhaltsanalyse vorgestellt. Durch die Analyse systematisiere ich die vorgeschlagenen Änderungen durch die kooperierenden Lehrpersonen.

     

    Arbeitsphase

    Im Anschluss habe ich die Gäste eingeladen die Analyse zu kommentieren und einzuordnen.

    An welchen Stellen in den Ergebnissen meiner qualitativen Inhaltsanalyse sehen Sie Anknüpfungspunkte oder Widersprüche zur aktuellen allgemein- und fachdidaktischen Forschungslage?

    Im Rahmen der Veranstaltung habe ich eine Auswahl der zusammengefassten Änderungsvorschläge der kooperierenden Lehrpersonen nach Subkategorien geordnet vorgestellt. Die einzelnen Subkategorien habe ich den Gästen auf DIN A4-Blättern in einem Gallery Walk präsentiert. Die Gäste kommentierten und ordneten die Analyse dann auf Post-Its ein.

     

    Ergebnisse der Arbeitsphase

    Besonders spannend für mich war die Reaktion der Gäste auf die Ergebnisse meiner Analyse. Diese Rückmeldungen werden mir im Herbst, wenn die Entwicklung des Prototyps abgeschlossen ist, helfen, aus den Änderungsvorschlägen der Lehrpersonen, Erkenntnisse für die aktuelle Forschungslage zu gewinnen.

    In Design-Based Research Projekten wird einerseits ein Prototyp als Lösung für ein identifiziertes Problem entwickelt. Durch die Entwicklung des Prototyps sollen aber auch theoretische Erkenntnisse erweitert werden.

    Ich möchte gerne exemplarisch ein paar Rückmeldungen und Hinweise der Gäste hier an der Stelle erwähnen:

    • Die kooperierenden Lehrpersonen planen und führen Unterricht nach pragmatischen Kriterien durch. Unter dem Subcode Praktikabilität könnten die jeweilige Sozialisation und insbesondere die Motive der Lehrpersonen zu ihrer pragmatischen Haltung überprüft werden. Ich werde diese Frage in der vierten, abschließenden Gruppendiskussion, im kommenden Juni aufgreifen.
    • Die Rolle von Zeit als Faktor in der Gestaltung von Geschichtsunterricht sorgte für Aufmerksamkeit unter den Gästen. Es ist zwar ein banaler, aber dennoch zentraler Faktor, zu welcher Uhrzeit, Jahreszeit usw. die jeweilige Lerneinheit durchgeführt wird. Hierbei werde ich prüfen, inwieweit ich Erkenntnisse aus der Kognitions- und Lernpsychologie einbeziehen kann.
    • Sprachliche Aspekte spielen unter den kooperierenden Lehrpersonen eine zentrale Rolle in der Gestaltung des Geschichtsunterrichts. Ich werde dafür die Arbeiten von Saskia Handro zum sprachsensiblen Geschichtsunterricht verstärkt einbeziehen.
    • Unter dem Subcode Disziplinspezifika wäre es spannend das Rollenbild der kooperierenden Lehrpersonen genauer zu analysieren. Darunter fällt auch der Umgang der Lehrpersonen mit Modellen zur Diagnostik im Geschichtsunterricht, z. B. die Graduierungslogik von Körber oder die Leistungsfeststellung im Geschichtsunterricht von Kühberger.

     

    Fazit

    Insgesamt war es sehr spannend und vielleicht auch ungewöhnlich nicht nur eine konstruktive und sehr hilfreiche Rückmeldung zu bereits genutzten oder dezidiert geplanten Modellen oder Prozessen einzuholen, sondern auch die versammelte Schwarmintelligenz der Gäste zu nutzen. Damit habe ich Anregungen und Inspiration für die weitere Planung und Durchführung meiner eigenen Arbeit erhalten.