• Das Exposé

    In den letzten Monaten stand das Verfassen meines Exposés im Zentrum meiner Arbeit. Für das Exposé habe ich vielfältige fachwissenschaftliche, fachdidaktische und methodische Aspekte teils kennengelernt, teils vertieft behandelt. Mein Ziel war und ist die Verknüpfung von Geschichts- und Mediendidaktik. Ich möchte aufzeigen, wie beide Disziplinen voneinander profitieren und das Handeln im Unterricht professionalisieren. In den kommenden Jahren wird aufgezeigt, auf welche Weise ein Zusammenhang zwischen digitalen Medien und narrativen Kompetenzen besteht.

    Eine intensive Lektüre von Fachliteratur stand in den letzten Monaten auf der Agenda. Tulodziecki war mit seinen Handbüchern (2004 & 2010) Ausgangspunkt für Medienpädagogik und Mediendidaktik. Er definiert zentrale Kategorien, u. a. den Medienbegriff oder mediale Darstellungsformen. Als Englisch- und Geschichtslehrer musste ich zunächst die Komplexität der Medienpädagogik und -didaktik erfassen. Daher standen auch peu à peu de Witt, Kerres, Moser und Petko auf meinem Leseprogramm.

    Die Klassiker Pandel, Rüsen oder Sauer waren zur Darstellung der Geschichtsdidaktik gesetzt. Aber welche KollegInnen gehen auf digitale Medien im Geschichtsunterricht ein? Schmale gibt mit seinen Publikationen aus den Jahren 2007 und 2010 einen praxisorientierten Einblick in die Nutzung digitaler Medien in den Geschichtswissenschaften. Bei der Lektüre Schmales wurde nochmals klar, dass das Studium der Geschichtswissenschaften durchgehend digitalisiert ist. Keiner behauptet, dass dies fachwissenschaftlichen oder fachdidaktischen Grundsätzen widerspricht. Der Geschichtsunterricht in vielen deutschen Schulen wirkte auf mich damit nur noch anachronistischer. Ich kam aber auch schnell auf Pallaske und Demantowsky, die in ihrem Sammelband (2015) den aktuellen Forschungsstand darstellen und eine inspirierende Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten mit digitalen Medien präsentieren. Pallaske schildert prägnant (2015, 137), dass sich Voraussetzungen und Prozesse des Geschichtslernens verändern. Geschichtslernen wird mit digitalen Medien multimedialer, individueller und kollaborativer.

     

    Forschungsparadigma

    Eine entscheidende Frage im Rahmen meines Exposés war die Wahl eines Forschungsparadigma. Deutlich wurde, dass Design-Based Research mir die Möglichkeit bietet, praxisorientiert und zugleich wissenschaftlich zu arbeiten. Welche Rolle digitale Medien im Geschichtsunterricht haben können, wurde als authentisches und konkretes Problem aufgegriffen. Ziel des Paradigma ist die iterative Weiterentwicklung von Materialien, in enger Verzahnung von Theorie und Praxis, bei der KollegInnen von Schule und Hochschule in Fokusgruppen mitwirken. Mir war wichtig, dass mein Dissertationsprojekt einen Mehrwert für die schulische Praxis beinhaltet. Für mein Exposé und auch für den Zeitplan (http://henninghost.de/dissertationsprojekt/) habe ich die sieben Phasen nach Middleton eingebaut:  

    1. Entwicklung einer Forschungsfragen
    2. Entwicklung eines überprüfbaren Handlungsprodukt
    3. Erstes Treffen der Fokusgruppe
    4. Prototypen werden entwickelt und angewandt
    5. Feldeinsatz der entwickelten Lehr-Lernmaterialien
    6. Endgültiges Testen
    7. Veröffentlichung der Lehr-Lernmaterialien.

    Die sieben Phasen schaffen Raum für KollegInnen von Schule und Hochschule Handlungsempfehlungen auszusprechen, die von mir umgesetzt werden. Die sieben Phasen haben DBR konkretisiert und mir eine Richtung der Dissertation für die nächsten Monate aufgezeigt. In keinem Fall darf man Gesprächen mit KollegInnen, an Schulen und der Universität zu Köln, sowie BetreuerInnen unterschätzen. Erst im (teils sehr lebhaften) Diskurs wurden die Grundideen meiner Dissertation konkretisiert, fachlich grob untermauert und weiterentwickelt. Im Mai diesen Jahres habe ich das (vorläufige) Exposé bei meinen BetreuerInnen, Sandra Hofhues und Sebastian Barsch, eingereicht. Ich freue mich sehr, dass die Beiden ihre Betreuung zugesagt haben. Es wird mit Sicherheit eine spannende Zeit mit vielfältigen und aktuellen Themen.

    Ich bin stets dankbar Anwendungsbeispiele, Tipps für Fachliteratur oder Veranstaltungshinweise zu erhalten (http://henninghost.de/kontakt/)!

     

    Literatur:

    • de Witt, C., Czerwionka, T. (2007). Mediendidaktik. Bielefeld: W. Bertelsmann.
    • Kerres, M. (2013). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg.
    • Middleton, J., Gorrard, S., Taylor, C. & Bannan-Ritland, B. (2008). The “compleat” design experiment: from soup to nuts. In A. E. Kelly, R. A. Lesch, J. Y. Baek (Hrsg.), Handbook of design research methods in education: innovations in science, technology, engineering and mathematics learning and teaching (S. 33-84). New York: Routledge.
    • Moser, H. (2014). Grundkurs Schulmanagement VIII. Digitale Medien in der Schule. Medienkompetenz für den Unterricht. Kronach: Carl Link.
    • Pallaske, C. (2015). Die Vermessung der (digitalen) Welt. Geschichtslernen mit digitalen Medien. In M. Demantowsky & ders. (Hrsg.), Geschichte lernen im digitalen Wandel (S. 135-148). Berlin: De Gruyter.
    • Petko, D. (2014). Einführung in die Mediendidaktik. Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Weinheim & Basel: Beltz.
    • Schmale, W., Gasteiner, M., Krameritsch, J. & Romberg, M. (2007). E-Learning Geschichte. Wien: Böhlau.
    • Tulodziecki, G. & Herzig, B. (Hrsg.) (2004). Handbuch Medienpädagogik. Stuttgart: Klett-Cotta.
    • Tulodziecki, G. & Herzig, B. (Hrsg.) (2010). Handbuch Mediendidaktik. München: kopaed.